Freitag, 27. Januar 2017

Indonesische Polizei praktiziert Jungfrauentest an Rekrutinnen

Wie vor wenigen Wochen bekannt wurde, müssen sich Polizeianwärterinnen in Indonesien dem sogenannten „Zwei-Finger-Test“ unterziehen, um ihre Jungfräulichkeit zu beweisen. Human Rights Watch ist aufgebracht und fordert einen internationalen Protest.

„So, Sie können sich dann schon mal ausziehen. Wir werden gleich den Jungfrauentest durchführen. Dann sollte Ihrer Einstellung nichts mehr im Wege stehen.“ So oder so ähnlich könnte es lauten, wenn sich junge Frau in Indonesien dazu entschließen Polizistin zu werden und sich somit einer fragwürdigen Untersuchung stellen müssen. Nachdem Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch auf der offiziellen Seite der Behörde in der Jobbeschreibung auf folgenden Satz stießen: "Zusätzlich zu den Tests zur medizinischen und körperlichen Eignung müssen Frauen, die Polizistinnen werden wollen, auch ihre Jungfräulichkeit prüfen lassen." war das Entsetzen groß.
Daraufhin wurden in sechs Städten, unter anderem in Padang, junge Frauen gesucht, die diese Praktik bestätigen konnten. Im Laufe der Befragung deklarierten die Rekrutinnen diese Methode als „schmerzhaft und äußerst traumatisch“. Laut dem indonesischen Pressesprecher, Ronny Sompie, sei es notwendig diese Testung durchzuführen, um Geschlechtskrankheiten auszuschließen. Bei Jungfrauen kann eine solche Erkrankung schließlich nicht vorliegen. Damit werden verheiratete Frauen automatisch als ungeeignet eingestuft und bekommen keine Möglichkeit, in ihrem Traumberuf zu arbeiten. Davon abgesehen, dass sich der Beruf durch diese Prozedur in den letzten Jahren immer mehr zu einem männlich dominierten Berufsfeld entwickelt hat, warnen Mediziner davor, diesem angeblichen Nachweis Glauben zu schenken. Leider ist diese Art von Untersuchung kein Einzelfall. Auch in Ägypten, Indien und Afghanistan wird seit vielen Jahren der Jungfrauentest bei der Einstellung von Bewerberinnen durchgeführt und mit dem gleichen Argument begründet. Verschiedene Organisationen wollen sich in Zukunft weiter dafür einsetzen, gerichtlich gegen diese Unmenschlichkeit vorzugehen und Frauen mehr in ihren Rechten zu stärken, denn kein Mensch sollte jemals für einen Job gedemütigt und verletzt werden. Dabei sei es besonders wichtig den öffentlichen Fokus auf diesen Skandal zu richten und einen internationalen Protest auszulösen.

Text_Michèle Fischer