Dienstag, 7. Juni 2016

Was passiert mit Schottland, wenn der Brexit 2016 eintritt?

In wenigen Wochen, besser gesagt am 23. Juni 2016, wird es sich zeigen ob Großbritannien in der Europäischen Union bleibt oder nicht. Wie wird der Landesteil Schottland, das als proeuropäisch gilt, darauf reagieren, im Falle des sogenannten „Brexit“? Könnte es zu einem neuen Unabhängigkeitsreferendum Schottlands kommen, wenn das Vereinigte Königreich einen Brexit bevorzugt?

Der Countdown läuft, am 23. Juni 2016 werden die Briten über ihr EU-Referendum abstimmen, ob sie weiterhin in der Europäischen Union bleiben oder ob es in Zukunft eine Europäische Union ohne Großbritannien geben wird. Laut aktuellen Umfragen des Instituts Opinium für die britische Zeitung „Observer“ heißt es, dass es zur Zeit 44 Prozent der Briten den Verbleib in der EU befürworten und 40 Prozent dagegen sind. Die Prognose ist düster, sagt der britische Finanzminister George Osborne: „Will Großbritannien diese hausgemachte Rezession?“ 
Auch der Premierminister David Cameron warnt vor einen EU-Austritt: „Das ist die Option zur Selbstzerstörung“. Für das Vereinigte Königreich kann der Brexit zwei Szenarien auslösen, zum einen ein „Schockszenario“, wobei binnen zwei Jahren das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 3,6 Prozent und der Wert des Pfundes um 12 Prozent zurückgehen könnte.
Beim zweiten Szenario würde es laut der Zeitung „Die Welt“ vom 24.05.2016 einen „heftigen Schock“ auslösen, wobei die Wirtschaftsleistung um sechs Prozent und der Wert des Pfundes um 15 Prozent an Wert verlieren und die Immobilienpreise um 18 Prozent sinken könnten. Es kommen dazu über 500.000 Arbeitsplätze, die wegfallen. Die Reallöhne der Briten wären damit binnen zwei Jahren drei Prozent geringer, was bedeutet, dass es pro Durchschnittsverdiener 800 Pfund jährlich weniger gebe.

Wird Schottland den Brexit hinnehmen und ebenfalls ein neues Unabhängigkeitsreferendum beantragen?

Die Scottish National Party (SNP) vom damaligen Parteichef Alex Salmond, verfehlte 2014 beim schottischen Unabhängigkeitsreferendum die nötige Mehrheit. Die Ergebnisse der Schotten verliefen 2014 auf 55 Prozent für den Verbleib im Vereinigten Königreich und 45 Prozent dagegen.
Die heutige Schottische Regierungschefin und Erste Ministerin Nicola Sturgeon, will sich gegen das Szenario Brexit einsetzen, jedoch unterstützt sie nicht David Camerons Politik. Sturgeon möchte sich mit ihren pro-Argumenten nicht nur für Schottland, sondern auch für die restlichen Länder des Vereinigten Königreichs einsetzen, für den Verbleib in der Europäischen Union. Schottland gilt als EU-freundliches Land, und würde einen Austritt Großbritanniens aus der EU als Provokation Englands aufnehmen. Laut Umfragen sind mindestens zwei Drittel der Schotten für den Verbleib Großbritanniens in der EU. Kommt es am 23. Juni 2016 zum Brexit, könne eine neue Volksabstimmung in Schottland unvermeidlich werden und es zu einer Abspaltung Schottlands vom Rest des Vereinigten Königreichs führen. Die Ministerin Sturgeon würde jedoch andere Umstände bevorzugen, damit Schottland unabhängig werden kann und es nicht unbedingt mit dem Brexit in Verbindung bringen.

Schottland müsse im Falle eines erneuten, erfolgreichen Unabhängigkeitsreferendums einen Antrag auf Mitgliedschaft in der EU stellen. Da Schottland ein festes Standbein in den Finanzwerten wie z. B. die Royal Bank of Scotland oder Lloyds hat, kann es damit das Unionsrecht nachweisen und das Annahmeverfahren in die Europäische Union kann im Gegensatz zu anderen Ländern kürzer dauern. Laut anderen Experten jedoch, könnte es für Schottland langwierig und schwierig werden wieder der Europäischen Union beizutreten.  Schottland könnte zwar  ohne England überleben, jedoch müssten die Schotten mit erheblichen wirtschaftlichen Einbußen rechnen, da zur Zeit z. B. die Ölpreise dramatisch gefallen sind und diese in Schottland eine der wichtigsten Einnahmequellen sind.
Die schottische Regierungschefin Sturgeon hofft nicht, dass es zu einem Brexit kommt. Sie versprach jedoch, sollte es der Fall sein, dann würde sie sich in der Zeit danach für eine Unabhängigkeit Schottlands, innerhalb der EU, einsetzen.

Text_Dirk Müller