Donnerstag, 26. Januar 2017

Der Identitäre von nebenan - Die Identitäre Bewegung in Rostock

Anfang Januar dieses Jahres berichtete die Ostseezeitung, dass die rechtextreme Identitäre Bewegung ihr Netzwerk ausbaut. Führende Köpfe der Bewegung haben den Verein Heimwärts e. V. gegründet und ins Rostocker Vereinsregister eintragen lassen. Einer der Ansprechpartner ist der Kommilitone Daniel F., der auch einer der Sprecher der Identitären Bewegung Deutschland (IBD) ist.

Seit Oktober 2016 wird die Identitäre Bewegung auf Bundesebene vom Verfassungsschutz (VS) beobachtet. Schon vorher beobachteten wenigstens elf Landesämter des VS die Identitären, die u. a. durch Anti-Asyl-Agitationen und Guerillaaktionen auffallen, in denen menschenverachtende und geschichtsrevisionistische Ansichten transportiert werden.
Die Identitäre Bewegung hat ihre Wurzeln im französischen Bloc identitaire und ist seit 2012 auch im deutschsprachigen Raum aktiv. Der Name fungiert als Sammelbezeichnung für rechtsradikale Gruppen verschiedener Größenordnungen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie rassistische Ansichten vertreten. Sie glauben an Ethnopluralismus und verstehen sich als Verteidiger einer abendländischen Kultur, die durch den Austausch bedroht ist. Ethnopluralismus ist eine Theorie, mit der Rassismus neu und weniger angreifbar begründet werden soll. Sie behauptet, dass Völker unveränderliche kulturelle Identitäten besäßen, die vor fremden Einflüssen zu schützen seien. Dazu sollten Völker sich erstens strikt voneinander abgrenzen und zweitens auf innere Homogenität achten. Ethnopluralismus ist also ein ausgrenzender Nationalismus. Vermischen dürften sich die Kulturen nicht, sonst drohe der Niedergang der Völker. Das ist dann, was Identitäre als Austausch bezeichnen. Ihnen zufolge meint Austausch die Vermischung unterschiedlicher Kulturen, die durch Migration bedingt ist.

Selbstverständnis durch menschenverachtende Werte geprägt

Das Selbstverständnis der Identitären ist ihrer Internetpräsenz zufolge durch schwammige Begriffe wie Tradition, Heimat, Volk, Kultur, Staat und Ordnung definiert. Das Logo der Identitären Bewegung ist das Lambda Symbol.  In Anlehnung an den siegreichen Kampf der Spartaner gegen die Perser, während dessen die Schilde der Spartaner angeblich von Lambda-Symbolen geziert wurden, diene es als Sinnbild der eigenen Standfestigkeit bei der Verteidigung der Abendländischen Kultur gegen Einflüsse von außen. Bezeichnender Weise ist die Verwendung des Symbols durch die Identitäre Bewegung nicht auf fundierte Kenntnisse der griechischen Mythologie zurückzuführen, sondern auf Zack Snyders Film 300.

Kommilitone F. ist einer der führenden Köpfe der Identitären

Die führenden Köpfe der Bewegung kommen aus akademischen Kreisen. Einer von ihnen ist der Rostocker Daniel F., der an der hiesigen Universität einen Abschluss in Good Governance erworben hat und Deutschlandradio Kultur zufolge derzeit Politikwissenschaften und Philosophie an der Uni Rostock studiert. Bevor er sich dem Engagement in der IBD verschrieb, war F. Mitglied der Jungen Nationaldemokraten, der Jugendorganisation der NPD.
Auch wenn sich die Neonazis rund um die Identitäre Bewegung als gebildet und hip präsentieren, steht F. als Beispiel dafür, dass ein Studium nicht zwingend mit Intellektualität einhergehen muss: Auf seinem Facebook Profil hat er die Berufsbezeichnung „Hausmeister bei Festung Europa“ angegeben.
Dennoch darf ob dieses auf den ersten Blick desolaten Stilempfindens nicht vergessen werden, dass es Vertretern der Szene immer häufiger gelingt, sich als rationale Sozialkritiker zu präsentieren und die altbekannten menschenverachtenden Inhalte in neuer Aufmachung zu präsentieren: Statt Rasse steht heute der Kulturbegriff im Vordergrund.


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Mobi-Videos und Aufkleber

Anfangs war die Identitäre Bewegung Deutschland (IBD) nur online präsent. Nachdem sie 2012 erstmals in Erscheinung trat, formierten sich bei Facebook Ortsgruppen sämtlicher Städte in Deutschland. Zunehmend machte sich die IBD Gepflogenheiten der linken Subkultur zu Eigen: Flashmobs, Mobi-Videos und Aufkleber. Laut Simone Rafael von der Amadeu-Antonio-Stiftung ist die IBD "ein ganz interessantes Phänomen, weil es Rechtsextreme sind, die so tun, als wenn sie keine wären...".
An der Uni Rostock zu studieren und einen der führenden Köpfe dieser menschenverachtenden Vereinigung als Kommilitonen zu wissen macht wütend. Es macht aber auch bewusst, dass es sich bei der Identitären Bewegung  nicht bloß um ein irgendwo im Netz präsentes Phänomen handelt, dass sich wenigstens offline einfach ignorieren lässt, sondern um eine Bewegung, der man sich entgegenstellen muss, der man den Wind aus den Segeln nehmen muss, indem man ihre rassistischen und geschichtsrevisionistischen Argumente widerlegt.


                                                                             Text: Svenja_Ober

(1) Bildquelle: http://www.berliner-kurier.de/image/27794604/2x1/940/470/5862242111e5dbaf18b66937514d2293/
vT/identitaere-bewegung-2016-berlin.jpg (20.06.2017).