Samstag, 18. Februar 2017

Anschläge und Gewaltverbrechen der ehemaligen Terrororganisation IRA

Die Irisch-Republikanische Armee (IRA) war eine der ältesten Terrororganisationen der westlichen Welt, sowie die größte und bekannteste der paramilitärischen Gruppen Nordirlands. Die IRA ist eine nichtstaatlich organisierte Gruppierung bzw. terroristische Vereinigung, die es sich zum Ziel macht, Nordirland von Großbritannien unabhängig zu machen und sich mit der Republik Irland, dem südlichen Teil der Insel, wieder zu vereinigen. Wie steht die IRA heute da?

Der gälische Begriff der IRA lautet „Oglaigh na Eireann“ was übersetzt „Junge Männer Irlands“ bedeutet. Fast über 90 Jahre lang hielt die IRA Großbritannien in Atem. Wie hat sich die IRA in dieser Zeit entwickelt?

Der historische Kontext bis zur Gründung der IRA

Die Wurzeln des Nordirlandkonflikts bzw. die Ursachen gehen zurück bis ins zwölfte Jahrhundert. Durch den damaligen militärischen Vorstoß von König Heinrich II auf die Nachbarinsel Irland, etablierte England dauerhaft seine Macht. Um die katholischen Iren gegen die englische Herrschaft zu unterdrücken, kam es 1609 zur Besiedlung von protestantischen Gefolgsleuten aus England und Schottland in Irland. Dies führte zur Enteignung der irischen Bevölkerung zugunsten der neuen Siedler. Daraufhin kam es in den folgenden Jahrhunderten zu blutigen Kriegen, in denen die Iren für ihre Unabhängigkeit von England kämpften.
Am 24. April 1916 kam es in Dublin zu einem Osteraufstand zwischen Rebellen der Irish Republican Brotherhood und den britischen Truppen, der zu schweren Straßenkämpfen führte. Dieser Straßenkampf, der das Zentrum der Stadt zerstörte, wurde nach mehreren Wochen von den britischen Truppen blutig niedergeschlagen. Kurz darauf wurde im Jahre 1919 die IRA offiziell gegründet, aus den vorherigen Irish Volunteers. Die nordirische Partei „Sinn Féin“ gilt als ihr politischer Arm. In den Jahren 1919 bis 1921 führte die IRA einen Guerillakrieg gegen die britische Herrschaft in Irland. Der Krieg endete mit einem Waffenstillstand und mit einer Unterzeichnung des Anglo-irischen Vertrages, worin es hieß, dass der Unabhängigkeitskrieg vorbei sei.
Viele Mitglieder der IRA waren gegen diesen Vertrag und es kam daraufhin zur Spaltung der IRA. Durch den Vertrag konnte der südliche Teil, die heutige Republik Irland, sich von Großbritannien unabhängig machen, der nördliche Teil blieb dagegen im britischen Besitz. Trotz des verlorenen Bürgerkriegs blieb die IRA weiterhin bestehen und verfolgt auch weiterhin das Ziel, Nordirland unabhängig zu machen und sich mit der Irischen Republik zu vereinigen. Ab den 1960er Jahren kam es erneut zur Spaltung der IRA, woraus sich einmal die „sozialistisch orientierte Official Irish Republican Army“ und die radikal „republikanisch orientierte Provisional Irish Republican Army“
gründete.

Aktionen der IRA bis heute

Durch die Aufspaltung der IRA im Jahre 1969 trat sie mehrmals als Terror-Organisation der radikalen Katholiken in Erscheinung. Es kam zu Straßenschlachten in Belfast. Im Jahr 1972 erreichte die Gewalt ihren Höhepunkt, als in Derry, in Nordirland, bei einer friedlichen Demonstration etwa 14 Menschen von britischen Fallschirmjägern getötet und mehrere Personen verletzt wurden. Die Jahre darauf kam es immer wieder zu verschiedenen Aktionen der IRA, meist durch Bombenanschlägen,
Mordanschlägen und Hungerstreiks. Der Buchstabe „H“, der an vielen Hauswänden in Irland steht, erinnert an den Hungerstreik. Es wurden beispielsweise Gebäude der britischen Armee sowie öffentliche Plätze in Großbritannien und Nordirland ausgesucht, an denen die Anschläge verübt worden waren. Es kam sogar zu Anschlägen in der Bundesrepublik Deutschland 1978, wo es in einem Interview (Spiegel, Nr. 15, 1980) mit dem Mitglied des Oberkommandos der IRA namens Patrick hieß: „Wir bekämpfen die Briten überall“. Der IRA-Aktivist machte mit diesen Worten auf die Stationierung britischer Soldaten im Rheingebiet der Garnisonstadt Münster aufmerksam. Dort wurden britischen Truppen speziell ausgebildet, um dann das Gebiet in der Provinz Ulster in Nordirland, zu kontrollieren.
In den 80er Jahren waren Katholiken sowie Paramilitärs in Nordirland immer wieder Übergriffen der nordirischen Polizei sowie des britischen Militärs ausgesetzt. Ein weiterer Bombenanschlag der IRA ereignete sich 1996 in Manchester, wo es über 200 Verletzte zu beklagen gab. Zwei Jahre später kündigte die Republik Irland den Verzicht auf eine Wiedervereinigung mit Nordirland an.

Nach langen Kämpfen legte die IRA offiziell ihre Waffen am 28. Juli 2005 nieder und beschloss, auf demokratischem Weg die Unabhängigkeit Nordirlands durchzusetzen. Der Waffenstillstand war allerdings nur von kurzer Dauer, nachdem es am 25. Februar 2006 zu einer heftigen Auseinandersetzung und Straßenschlacht zwischen der irischen Polizei und Anhängern der IRA gekommen war. Die IRA-Anhänger warfen Flaschen, Steine und Feuerwerkskörper nach den Polizisten. Es gab mehrere Verletzte. Danach wurden erneut die Waffen niedergelegt. Es kam jedoch Anfang 2009 wieder zu Anschlägen durch IRA-Splittergruppen. Die sogenannte „Real IRA“ erschoss am 7. März 2009 in einer Kaserne nordwestlich von Belfast zwei Soldaten und verletzte vier weitere Menschen. Einen Tag danach wurde auch ein Polizist in Craigavon erschossen. Mitte des Jahres 2012 schlossen sich erneut mehrere nordirische Dissidentengruppierungen zu einer neuen IRA zusammen. Diese neue terroristische Vereinigung besteht aus über hundert bewaffneten Mitgliedern und plant angeblich in naher Zukunft Anschläge auf englische Ziele. Bis heute gab es von ihrer Seite jedoch keine neuen Ausschreitungen oder Anschläge.

Verluste und Finanzierungen der IRA

Die IRA wurde in der Vergangenheit von unterschiedlichen Geldgebern finanziert, wie beispielsweise von Libyens ehemaligem Diktator Gaddafi und von amerikanischen, katholischen Iren. Die ideologische und materielle Unterstützung bekam die IRA aus der Republik Irland, aus Moskau sowie aus dem Baskenland der ETA.
Seit dem Konflikt um Nordirland sind über 3.500 Menschen diesem Terror zum Opfer gefallen. Die Motive des Terrors in Irland bzw. in Nordirland, die teils mit dem religiösen Glauben und Fanatismus zusammenhängen, diese Impulse begegnen uns auch noch heute in Europa allerdings mehr in Form des islamistischen Terrorismus, wie etwa den Bombenanschlägen in Paris und Brüssel.
Auch, wenn die Briten zurzeit mit dem Brexit beschäftigt sind und der Irland-Konflikt aktuell keine große Rolle für Großbritannien spielt, können wir nur hoffen, dass sich die Briten und die Iren irgendwann einigen und es nicht mehr zur Ausschreitungen und Auseinandersetzungen kommt.

Text_Dirk Müller