Freitag, 12. Mai 2017

Zucker - Energielieferant oder Gift für den Körper?

Schätzungen zufolge isst jeder Deutsche rund 36 Kilo Zucker pro Jahr, was das Risiko eines kranken Körpers enorm steigert. Daher rät die Weltgesundheitsorganisation dringend zu einer Reduzierung des Zuckerkonsums. Allerdings sieht die Lebensmittelindustrie beim Thema Zucker keinen Handlungsbedarf, ja bestreitet sogar die Gefahren des beliebten Süßungsmittels. Hier gilt: Je höher der Zuckerkonsum des Verbrauchers, desto besser ist das für die Industrie. Oder anders gesagt, je kranker der Verbraucher, desto gesünder die Industrie? 

Jeden Tag produziert die Lebensmittelindustrie ein Überangebot an Nahrungsmitteln, welche an den Verbraucher verkauft werden müssen.
Hinzu kommt, dass der Gesamtverbrauch nach Möglichkeit weiter gesteigert werden soll. Mit Hilfe von Werbung und Öffentlichkeitsarbeit, sowie Gesundheitsversprechen arbeiten die Lebensmittelkonzerne an der Umsetzung dieses Ziels. 

Aus Sicht der Verbraucherschutzzentrale liefert die Lebensmittelindustrie falsche Argumente. So sei es beispielsweise nicht korrekt, dass der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker in Deutschland seit über 40 Jahren nicht mehr gestiegen ist. Bei dieser Rechnung werde nur der sogenannte Haushaltszucker mit einbezogen. Tatsächlich kommt Zucker immer häufiger auch in Form von Glukosesirup, Maltodextrin sowie anderen Süßungsmitteln in Lebensmitteln vor. Laut Verbraucherzentrale werde dieser "versteckte" Zucker von der Lobby verschwiegen.

Zusätzlich bestreiten die Vertreter des Süßungsmittels, dass dieses für Übergewicht verantwortlich ist. Kohlenhydrate seien nach Meinung der Lobby lebensnotwendig. Das ist zwar korrekt, allerdings kommt es hierbei auf die Art der Kohlenhydrate an, wobei Zucker nur einen geringen Anteil (10%) der täglichen Nahrungsaufnahme ausmachen sollte. 

Was ist Zucker überhaupt?

Der sogenannte Haushaltszucker (Saccharose) besteht zum einen aus dem Einfachzucker, Traubenzucker (Glukose) und zum anderen aus dem Fruchtzucker (Fruktose).

Glukose + Fruktose = Saccharose 

Bei Einfachzucker handelt es sich um die kleinste Einheit von Zucker. Diese sind sehr schnell verwertbar und gehen sofort ins Blut. Daher ist Glukose unser wichtigster Energielieferant, der Stoff, zu dem Proteine, Fette und alle Kohlenhydrate umgebaut werden, um als Treibstoff des Körpers jederzeit zur Verfügung zu stehen. Anders jedoch als Eiweiße, Fette und komplexe Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten oder Gemüse, lässt Glukose den Blutzuckerspiegel rasant nach oben steigen. Der übermäßige freie Zucker sorgt dafür, dass die Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin ausschüttet. Insulin wird immer ausgeschüttet, wenn Zuckerbausteine im Blut unterwegs sind, da es dafür sorgt, dass der Zucker in die Zellen gelangt, wo er benötigt wird. Viel Zucker bedeutet demnach immer wieder viel Insulin, was wiederum die Bauchspeicheldrüse stark belastet.

Umso wichtiger ist es, den Decknamen des Zuckers auf die Spur zu kommen. Begriffe wie Saccharose, Glukose-Fruktose-Sirup, Glukosesirup, karamellisierter Zucker, Maltodextrin, Milchzucker, Molkenerzeugnis, Süßmolkenpulver, Vollmilchpulver, Magermilchpulver oder gezuckerte Kondensmilch verstecken ordentliche Süßkraft.

Bildquelle: http://www.daserste.de/information/ratgeber-service/vorsicht-verbraucherfalle/versteckter-zucker-100~_v-facebook1200_0dbfde.jpg
Folgen von zu hohem Zuckerkonsum

Dabei ist der übermäßige Verzehr von Zucker erwiesenermaßen ein Auslöser für Übergewicht, was zahlreiche Studien belegen. So fand man heraus, dass ein erhöhter Verzehr von Lebensmitteln mit hoher Energiedichte, einer der Faktoren für Übergewicht ist. Gerade die zuckerhaltigen Lebensmittel haben in der Regel eine hohe Energiedichte. Hinzu kommt, dass Zucker nur einen geringen Sättigungswert hat, wodurch der Verzehr von zuckerhaltigen Lebensmitteln den Hunger wieder schneller auslöst. Mit industriell produzierter Nahrung kann man den Zuckerkonsum allerdings kaum senken. Häufige Zuckerfallen sind beispielsweise Cappuccino, Nutella, Ketchup, Eistee, aber auch Toastbrot, Orangensaft, Cornflakes, Cremelikör, Kartoffelsalat oder Pizza. Laut Lebensmittelindustrie besteht darin aber kein Problem. Sie wehrt sich zudem gegen die Behauptung, „Zucker könne süchtig machen". Die Verbraucherschutzzentrale sieht das anders, da die Grenze zwischen Sucht und natürlicher Belohnung fließend sei. Auf diesem Gebiet bedarf es, nach Meinung der Verbraucherschützer, weiterer Forschung, welche keinesfalls durch die Zuckerlobby finanziert werden sollte. 

Folgende Symptome können durch Zucker ausgelöst werden oder eine Beteiligung dessen sein: Unerklärliche Müdigkeit, Antriebs- und Energielosigkeit, Gefühlstiefs, Angstzustände, Magen- und Darmprobleme wie Völlegefühle, Blähungen, Durchfall und Verstopfung, Haarausfall, Hautkrankheiten, Pilzbefall, Menstruationsbeschwerden, Nervosität, Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche – bis hin zu geistiger Verwirrtheit.

Die menschlichen Vorlieben sind ein Teufelskreis

Kann der Mensch also etwas gegen den übermäßigen Zuckerkonsum tun? Ja und nein. Denn die Vorliebe für Süßes ist dem Menschen angeboren: Bereits die Muttermilch hat einen süßlichen Geschmack. Eine Vermutung lautet, dass süß schmeckende Substanzen unseren urzeitlichen Vorfahren als Indikator für deren Verträglichkeit dienten. Pflanzen mit vielen Bitterstoffen sind oft giftig, ein saurer Geschmack weißt häufig auf Unreifes oder Verdorbenes hin. 

Sobald unsere Zungenspitze beispielsweise mit einem Stück Schokolade in Berührung kommt, sendet sie Signale an unser Gehirn. Dort wird der Geschmack des Lebensmittels festgelegt. Zudem aktiviert die Nahrungsaufnahme unser Belohnungszentrum im Gehirn. Ein gutes Essen sorgt dafür, dass die Glückshormone Dopamin, sowie Opioid ausgeschüttet werden. Zuckerhaltige Lebensmittel schütten ein Vielfaches mehr dieser „körpereigenen Drogen“ aus. Zusätzlich scheint Zucker eine ähnliche Wirkung auf unser Gehirn zu haben wie Kokain oder Heroin. Das resultierende Hochgefühl wollen wir immer wieder erleben. Dadurch kann ein echter Teufelskreis beginnen. 

Komplett auf Zucker verzichten können nur die wenigsten Menschen. Und wie immer kommt es vor allem auf die Dosierung an: Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sind 20 bis 40 Gramm Zucker am Tag bedenkenlos zu genießen. Dick macht also weder Zucker noch Fett an sich, sondern die Tatsache, dass zu viel davon gegessen wird. Was unter anderem auch daran liegt, dass die Industrie in vielen Produkten Zucker versteckt. So ist ein Zusatz von Zucker in Babynahrung mehr als fragwürdig. Dabei stellt sich die Frage, warum bereits in Babybrei namhafter Firmen Zucker vorhanden ist und warum unser Körper, wo Zucker doch nachweislich nur in geringen Mengen notwendig ist, diesem Stoff in solcher Menge über die Lebensmittelkonzerne ausgesetzt wird? 

Text_Charlotte Jacobi